BlackScorpion wrote:Soweit die gelernte Theorie, die sicher vom logischen Standpunkt korrekt ist, nur welcher Mittelständler kann sich diesen Aufwand leisten?
Das ist keine spröde und verstaubte Theorie, denn diese Situationen kommen in der Praxis leider öfter vor, als man denkt.
Das können Überspannungssituationen sein, weil ein Umspannwerk durchknallt, oder ein simpler Blitzeinschlag in der Nähe. Das kommt hier alle paar Jahre vor. Von Feuer und Wasser will ich erst gar nicht reden. Unser Serverraum ist quasi ein Bunker mit 30cm d*k (d i c k e n) Wänden aus Tunnelbeton, die komplette Stromversorgung läuft über ein batteriegepuffertes System, und im Keller steht ein großer Notstrom-Diesel. Das Ganze ist mit einem Löschsystem abgesichert, bei dem man nicht in der Nähe sein sollte, wenn es losgeht.
Jepp, das ist die ganz große Lösung, und wir haben sie auch tatsächlich gebraucht. Diese Investition hat sich gelohnt. Null Datenverlust in fast 20 Jahren ist einfach eine Hausnummer.
So etwas kostet ein paar Hunderttausend Euro, und ist für eine normale Firma kaum stemmbar.
Natürlich ging in der Zwischenzeit die technische Entwicklung weiter, und mittlerweile werden in Privathaushalten oder normalen Büros Datenmengen gespeichert, wie sie vor ein paar Jahren nur in großen Rechenzentren gehandhabt wurden.
Allerdings haben sich die Rahmenbedingungen nicht verbessert, sondern eher verschlechtert, da die Speicherdichte exorbitant angestiegen ist, und sich daraus völlig neue Probleme ergeben. Früher waren die Festplatten kleiner, und bei einem Austausch dauerte es nur wenige Stunden, bis das Array wieder heil war. Aber auch das war immer eine kritische Situation, weil in der Zeit keine andere Festplatte ausfallen durfte.
Bei den heutigen 3 oder 4 TB Platten ist das noch krasser, da das Wiederherstellen sehr viel länger dauert (wobei ZFS im Vergleich zu anderen Raid-Systemen sehr effektiv arbeitet).
Deine Entscheidung, gleich ein RaidZ2-System zu machen, ist richtig, weil es bei der Datenmenge angemessen ist.
Ein Raid ist allerdings tatsächlich kein Backup. Ein Raid ist nur dazu da, die
Datenverfügbarkeit zu erhöhen, und die Ausfallzeiten zu minimieren.
Gegen einen richtigen Crash schützt es dich nicht. Dazu gehört auch eine Fehlbedienung (aka: eigene Blödheit).
Der dringende Rat, ein zweites System für das Backup vor zuhalten, hat tatsächlich einen tieferen Sinn.
Es schützt dich nicht nur bei richtigen Ausfällen, oder einer Fehlbedienung, sondern es ist auch unverzichtbar, wenn du mal die Speicherkapazität erhöhen möchtest. Das zweite System ist kein reiner Selbstzweck, sondern ein ganz aktives Arbeitsmittel, welches die tägliche Arbeit extrem erleichtert.
BlackScorpion wrote:... nur welcher Mittelständler kann sich diesen Aufwand leisten?
Diesen Aufwand leiste ich mir sogar als Privatmensch. Meine eigenen Photos sind mir sehr wichtig, und deswegen habe ich ein entsprechendes Backup-System.
Was dein Problem ist (soweit ich das beurteilen kann):
Du weißt derzeit noch gar nicht, welche Möglichkeiten dir ZFS bietet. Du kennst anscheinend keine Snapshots, oder die diversen Backup-Möglichkeiten, und wie man das Ganze zu einem leicht bedienbaren, und sehr stabilen System zusammenfügt.
All das, was du bisher als Anforderung spezifiziert hast, läuft bei mir (auch zu Hause) völlig problemlos.
Natürlich hast du ein spezielles Problem mit deinem Chef. Damit bist du aber nicht alleine.
Es geht hier aber nicht um überzogene technische Wunschvorstellungen, sondern um eine vernünftige Arbeitsbasis.
Das mußt du natürlich vermitteln können. Dabei unterstützt du sowohl den wirtschaftlichen Erfolg deiner Firma, und letztendlich deinen eigenen Arbeitsplatz.
Das ist nicht nur so daher gesagt, mit diesen Problemen schlagen sich alle Admins herum.
Grüße
Princo
Meine Antworten beziehen sich immer auf die englischsprachige GUI. ECC-RAM ist Pflicht beim Einsatz von ZFS.